16 neue Jagdscheinabsolventen verpflichten sich zur Waidgerechtigkeit in feierlichem Rahmen

  • Gruppenfoto der erfolgreichen Absolventen

  • Dr. Eckhard Otto, Erich Hildebrand und Jungjägerin Caroline Pfeifer beim Jägerschlag

  • Dr. Eckhard Otto, Erich Hildebrand und Jungjägerin Pascale Vollmer beim Jägerschlag

  • Roland Heller mit dem Geschenk der Kursteilnehmer

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Am Donnerstag, den 16. Mai, fanden sich die 16 Absolventen des zurückliegenden Jägerprüfungskurses der Jagdschule Heller in den herrschaftlichen Räumen des Wasserschlosses Inzlingen ein. Grund hierfür war der traditionelle ‚Jägerschlag‘ – die offizielle Aufnahme der neuen Jagdscheininhaber in den Kreis der Jägerschaft sowie deren feierliches Gelöbnis, sich für den Erhalt von Wald und Wild einzusetzen und die Prinzipien der Waidgerechtigkeit, d.h. den ethischen Ehrenkodex der Jägerinnen und Jäger im Umgang mit dem ihnen anvertrauten Wild, auf Lebenszeit zu achten. Im Beisein ihrer Familien, Lehrmeister sowie einzelner Vertreter der diesjährigen Jägerprüfungskommission unter den Klängen der Dinkelberger Jagdhornbläser nahm Dr. Eckhard Otto, musikalischer Leiter der Bläsergruppe, in seiner Ansprache die neuen Jagdscheininhaber in die Pflicht: So sei die theoretische, fachliche Ausbildung zum Jäger zwar mit dem erfolgreichen Ablegen der Prüfung abgeschlossen, zum ‚gerechten Jäger‘ würde man allerdings erst in den Folgejahren. Folglich wünschte Otto den neuen Jagdscheininhabern einen ‚Lehrprinzen‘, der sie in der ersten Zeit behutsam aber streng begleite und ihnen helfe jagdliche Situationen richtig einzuschätzen, um so neben der Passion und Leidenschaft auch dem richtigen Verhältnis von Ruhe, Geduld und ggf. Verzicht erfolgreich nachzuspüren. Entgegen manch landläufiger Ansicht, Jäger wären womöglich wahllose ‚Schießer‘, unterstrich Otto gerade die große Verantwortung, die jeder Jäger mit der Jagdausübung übernehme. Diese konzentriere sich bei weitem nicht nur auf eine bloße Sicherheitsüberprüfung vor der unmittelbaren Schussabgabe, sondern beginne weit im Vorfeld dessen mit der richtigen Auswahl des zu erlegenden Stückes sowie in der Abwägung, diesem einen wirksamen und schnell tötenden Schuss anbringen zu können. Jagd sei, so Otto, eben kein reines Beutemachen, sondern in einem viel größeren Kontext ein essenzieller Beitrag, Wald und Flur und damit auch die gesamte dort lebende Tierwelt zu pflegen und zu schützen. Auch Kreisjägermeister Alexander Rose, der als Vorsitzender der Badischen Jäger Lörrach den derzeit 910 Jägerinnen und Jäger im hiesigen Landkreis vorsteht, ließ es sich nicht nehmen, die frischgebackenen Jägerinnen und Jäger zu beglückwünschen. Indem die Kursabsolventen die rund ein Jahr dauernde und damit intensivere Kursform der heimischen Jagdschule wählten, hätten sie ein sehr breites Wissen erworben, das weit über die eigentlichen Prüfungsvoraussetzungen hinausgehe. Er freute sich, dass sämtliche Absolventen den Weg in den Kreisverein gefunden hätten und warb dafür, die sich hier eröffnenden Weiterbildungsmöglichkeiten und Veranstaltungen wahrzunehmen und nach außen den Diskurs mit der nichtjagenden Gesellschaft nicht zu scheuen. Die Jagdausübung, so Rose, erfahre gerade in der heutigen Zeit einen besonders hohen Rechtfertigungsdruck, habe aber nicht nur gute, sondern schlichtweg überzeugende Argumente.

Als höchst amüsant erwies sich der Kurzbesuch des „Heiligen Hubertus im Armani-Anzug“ alias Volker Sominka, der den Kursmitgliedern im wirklichen Leben als Referent für Waffenrecht und aus der Schießausbildung bekannt war. Sominka hatte sich auch seinem äußeren Erscheinungsbild nach dem Schutzpatron der Jagd angepasst und gab in ironischer Manier kurzweilige Einblicke in das vergangene Kursjahr.

Mit dem offiziell letzten Programmpunkt des Abends unterstrich die versammelte Jägerschaft und dessen Anhang einmal mehr, wie ernst die Versammelten auch ihre soziale Verantwortung nehmen. So hatte der ‚Heilige Hubertus‘ die Anwesenden dazu aufgefordert, die exakte Menge eines Flüssigkeitsbehältnisses, die angeblich „vergossenen Tränen der Referenten des Kurses“, abzuschätzen. Der durch Losverkauf erzielte Betrag von 375 € wird dem Verein Chinderlache und konkret der Arbeit des „Klinik-Clowns Pat“ zugutekommen, der alle zwei Wochen das Lörracher Elisabethenkrankenhaus besucht und den kleinen Patienten mit seinen künstlerischen Darbietungen einige glückliche Stunden schenkt.

Geprägt war der Abend schließlich von den Dankesbekundungen seitens des Kreisjägermeisters sowie der Lehrergangsteilnehmer gegenüber dem Team um den scheidenden Leiter der Jagdschule Roland Heller, dessen Bildungseinrichtung nicht nur seinen Namen, sondern auch seine Handschrift seit nunmehr 48 Jahren trägt. Erfreulich ist, dass mit Silva Seiler, der Tochter Hellers, eine engagierte und kompetente Nachfolgerin gefunden werden konnte, die nach eigenen Angaben seit der frühen Kindheit bereits den zurückliegenden Jägerschlägen beiwohnte, die das Jagdschulleben regelrecht in sich aufsog und die, nachdem sie mit 29 Jahren selbst in der hiesigen Jagdschule den Prüfungskurs erfolgreich durchlaufen hatte, bereits als Referentin für die Bereiche Naturschutz und Hege sowie im Bereich der Schießausbildung tatkräftig mitarbeitete. Heller wird die bevorstehende Iso-Zertifizierung der Jagdschule in den nächsten beiden Jahren noch begleiten, mit 50 Jahren unermüdlicher Arbeit im Rahmen der Ausbildung von bis dahin rund 1200 Jägerinnen und Jägern möchte er sich dann aber endgültig aus der Jagdschule zurückziehen.