Erschlagener Auerhahn auf dem Feldberg

Info von Dr. Gerrit Müller (Vorsitzender der Auerwild-Hegegemeinschaft im Regierungsbezirk Freiburg), mit Link zum SWR und der New York Times

Erstellt am 13.08.2019

RUNDMAIL VON GERRIT MÜLLER

Hallo liebe Auerwildfreunde / -freundinnen,

Ich danke für die vielen bei mir bis jetzt telefonisch und digital eingegangenen Kommentare und Meinungsäußerungen zum Vorfall, die eine klare Sprache von Trauer, Fassungslosigkeit und Ärger sprechen. Dass in einigen wenigen Fällen an Wut grenzende Emotionalität zum Ausdruck kam, veranlasst mich zur Bitte, sachlich zu bleiben und dem Artenschutz im allgemeinen und dem Auerhuhnschutz im speziellen durch unangebrachte Radikalität einen Bärendienst zu erweisen. Auch halte ich vorlaute Rufe nach harter Vergeltung für unangebracht und verlasse mich darauf, dass nach Abschluss der polizeilichen und dann wohl  nachfolgenden gerichtlichen Untersuchung die Tat gerecht gesühnt wird.  

Zum Thema "balztolle" Hähne hänge ich eine Veröffentlichung des Schweizer Ornithologen Pierre Mollet (Mail auch an ihn mit bestem Dank!) bei. Sie bestätigt, dass es tatsächlich  Hähne (und gelegentlich sogar Hennen) gibt, die nicht nur spielen wollen. Solche gänzlich unzahmen Tiere werden von Unerfahrenen im Fall von - zum Glück relativ seltenen - "Angriffen" (die in der Regel der Revierverteidigung dienen!)  durchaus als Bedrohung wahrgenommen werden, deren Schwere nicht eingeschätzt werden kann und daher unheimlich sind. 

Ich selbst stand dem seit 4 Jahren als unberechenbar bekannten "Heini" (denn um diesen Hahn im besten Hahnenmannesalter handelte es sich mit großer Wahrscheinlichkeit beim Opfer) überraschend letztes Jahr nicht weit vom Tatort gegenüber und legte nur einen Meter  vom weit geöffneten Hakenschnabel des zischenden voll aufgeplusterten Drachenvogels entfernt bedächtig den Rückwärtsgang ein, bis er meine Demutsgeste annahm und sich majestätisch in seinen Herrschaftsbereich zurückzog. 

Dass die beiden jungen Männer sich vom Hahn bedroht fühlten, ist durchaus nachvollziehbar. Entscheidend für die juristische Einschätzung ihrer - für mich eindeutige und nicht tolerierbare - (Über-)Reaktion wird neben der Zurechnungsfähigkeit (Alkohol?) die Frage sein, in wie weit sie sich durch leichtsinniges und/oder ungesetzliches Verhalten ihre vermeintliche Notlage selbst zuzuschreiben hatten. 

Der Feldberg ist ein sensibles Gebiet, das Auerwild einer seiner sensibelsten Kostbarkeiten. Massentourismus und unkontrollierbare Events schaden dem Gebiet. Rund um den Höchsten leben nur noch ca. 15 erwachsene Auerhähne mit wohl gleich vielen Hennen, in der weiteren Umgebung kein einziger mehr!  Es braucht viel Einsatz, Einsicht (auch zum Verzicht!) und dann auch Glück, um das Aussterben - vielleicht nur dank der heißen Sommer 2018 und 19 mit guten Kükenaufzucht-Chancen - noch verhindern zu können. In den Vogesen ist es schon zu spät, die Verantwortlichen sprechen von nur noch 5-10 Hähnen im gesamten Gebirge. 

Ich bitte Sie / Euch abschließend herzlich darum, nach besten Möglichkeiten dazu beizutragen, dass unser Ziel der Erhaltung des Auerwilds noch erreicht werden kann. 

Mit besten Grüßen
Ihr/Euer
Gerrit Müller
(Vorsitzender der Auerwild-Hegegemeinschaft im Regierungsbezirk Freiburg)

Bild: Wolf Hockenjos, 2015 (wohl eines der ersten Bilder von "Heini")

Bericht auf der SWR-Homepage:
https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/suedbaden/Feldberg-Auerhahn-erschlagen,meldung-36306.html


Diese unverständliche Aktion findet sogar in der New York Times Berücksichtigung:
https://www.nytimes.com/2019/08/12/world/europe/germany-police-rare-bird-vigilantes.html

 

Erstellt am 13.08.2019
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