Kitzrettung (HR 5)


»»»  Ein herzliches Waidmannsdank an den Hegering 5 "Oberes Wiesental" für die finanzielle Unterstützung dieses sinnvollen Projektes!  «««




Wild-(Kitz-) Rettung mit einem speziell ausgestatteten Multicopter ("Drohne")

Die "Kitzrettung" mithilfe einer Drohne, an der eine spezielle Wärmebildkamera mit mindestens 320px installiert ist, wird schon in vielen anderen Landkreisen erfolgreich betrieben (zB www.rehrettung-hegau-bodensee.de) Auch in der Schweiz, wo man bereits über eine 6-jährige Erfahrung vorweisen kann, gibt es eine sehr aktive Gruppe. Mit einer Erfolgsquote von über 95% waren die Schweizer im Jahr 2018 sehr erfolgreich (www.rehkitzrettung.ch).

Wie ist der Ablauf?
Der Landwirt muss seine Mahd mindestens bis um 18 Uhr am Vorabend dem zuständigen Jagdpächter melden, damit dieser ein Rettungsteam organisieren kann. Von seitens des Jagdpächters sollten am nächsten Morgen mindestens 2 ortskundige Helfer als "Kitzretter" zur Verfügung stehen. Auch sollte er einige Holzkisten (umzugskartons, Wäschekörbe oder ähnliches) zur Verfügung stellen. Selbstverständlich können die "Kitzretter" auch von Helfern aus der Landwirtschaft unterstützt werden.

Am frühen Morgen vor der Wiesenmahd wird die Wiese (oder mehrere) mit dem Kopter von einem Piloten abgeflogen. Parallel zum Flug beobachtet ein Mitglied des Rettungsteams ("Spotter") den Bildschirm auf dem das Wärmebild abgebildet wird. Sobald er ein liegendes Kitz vermutet, gibt er ein STOPP-Signal und der Pilot lässt den Kopter über dem vermuteteten Kitz in der Luft stehen. Durch den Kopter, sowie einen eigenen MOnitor auf dem das Wärmebild dargestellt wird, werden die "Kitzretter" (meistens 2 Personen) zu dem liegenden Kitz geleitet. Sie können per Funk mit dem "Spotter" kommunizieren. Das gefundene Kitz wird entsprechend den Vorgaben von der Wildforschungsstelle markiert, aufgenommen und außerhalb der Wiese geschützt unter einer luftigen und mit Gras abgedeckten Holzkiste oder ähnlichem gesichert. Sobald die Wiese abgeflogen wurde, sollte die Mahd beginnen damit die gefundenen Kitze nicht zu lange unter der Kiste verharren müssen.

Ideal sind gute Revierkenntnisse des Jägers. Er weiß wo er schon Gaisen gesehen hat und wo diese am ehesten die Kitze abgelegt haben könnten. Diese Bereiche werden bevorzugt abgeflogen. Die Suche von Kitzen ist in Jagdrecht geregelt und und somit nur mit Erlaubnis der Revierinhabers zulässig.

Problematisch sind Kitze die bereits mobil sind und vor den "Rettern" in den angrenzenden Wald flüchten. Diese kehren oftmals in kürzester Zeit wieder in die Wiese zurück und können dann - trotz Suchaktion - vermäht werden. Hier wird noch an einer sinnvollen Lösung getüfftelt.

Manche Teams setzen im Flugprogramm auch GPS-Markierungen sobald ein Kitz vermutet wird. Die Wiese wird durchgängig in einem Zug komplett abgeflogen und dann erst die markierten Punkte mit Hilfe eines GPS-Gerätes von den "Kitzrettern" kontrolliert. Beides hat Vor- und Nachteile.

Außer der reinen Suche vor der Mahd, kann der Kopter auch zur Suche von KItzen eingesetzt werden, deren Gais zB durch einen Verkehrsunfall, nicht mehr am Leben ist. Je früher solche Unfallmeldungen beim Kopterpiloten eintreffen, desto sicherer kann dieses System eingesetzt werden (Stichwort "Bodenerwärmung").

Was wird benötigt?
Ganz klar - Enthusiamus, Wille, ein gehöriges Maß an Tierliebe und natürlich Geld!
Nicht jeder ist in der Lage mehrmals wöchentlich im frühesten Morgengrauen an einer Wiese zu stehen und bis ca. 8:30 Uhr Kitze zu suchen. Je nach Witterung kann die gesamte Phase der Suchzeit bis zu 8 Wochen dauern, das kann ganz schön an die Substanz gehen. Und nicht jeder kann sich dies auch von Seitens seines Jobs aus erlauben.

Was kostet eine Ausrüstung derzeit?
Man benötigt einen Multikopter mit mindestens 5 Akkus, eine Wärmebildkamera (mindestens 320 px) mit Interface, Bildschirme für die Wärmebilddarstellung, Funkgeräte, Tablet, Software, Transportkoffer und einiges weitere Zubehör. Je nach dem muss der Multicopter auch noch umgebaut werden. Eine hochwertige Ausrüstung kann so schon mal 12.000,- € kosten, aber es geht genau so gut eine Nummer kleiner ... dann ist man bei rund 4.000,- € je nach Tagespreis. Dieses günstigere System hat sich in der Schweiz schon sehr gut bewährt und wurde von mir erstmals 2019 mit Erfolg eingesetzt. Gerne stelle ich bei Bedarf eine Liste der benötigten Gerätschaften zur Verfügung.

Und bevor jetzt hier jemand anfängt zu rechnen … nein, damit lässt sich sicher kein Geld verdienen, im Gegenteil, man muss wohl permanent Geld (und Enthusiasmus) bringen – so ähnlich wie bei der Nachsuchearbeit ;-)!

Gibt es Einschränkungen?
Das Ganze ist sehr zeitintensiv. Derzeit kann aufgrund der Sensibilität der Wärmebildkamera die Suche nur in den frühen Morgenstunden bis maximal ca. 8:30 Uhr erfolgen. Sobald sich der Boden erwärmt, gibt es zu viele Fehlermeldungen. Da wird dann jeder Maulwurfshügel oder jede Kahlstelle angezeigt. Bei Regen, Nebel und stärkerem Wind (ab ca. 25 km/h) kann auch nicht geflogen werden ... aber da wollen die Landwirte eventuell sowieso nicht mähen.

Problematisch ist natürlich auch die zeitlich "geballte" Mähkompetenz ... sobald gutes "Mähwetter" gemeldet ist, werden überall die Traktoren gestartet. Je mehr "Rettungsteams" im Einsatz sind, desto eher können diese Spitzen dann auch gemeistert werden.

Wie ist die Effektivität?
Der Erfolg gibt der Sache recht - derzeit ist diese Art der Kitzsuche die am effektivsten. Dies bestätigen auch viele Berichte. In kurzer Zeit können große Flächen ohne Schäden am Mähgut abgeflogen werden. Der Kopter fliegt in 25 - 35 m Höhe mit rund 13 km/h. Je nach Objektiv wird somit am Boden, bei einer Flugbahn, eine Fläche von rund 25 m Breite abgedeckt. Für einen Hektar benötigt man so rund 3 Minuten. Das schaffen andere Arten der Kitzsuche nicht mal ansatzweise. Normalerweise wird ein Kitz, das sich im hohen Gras duckt, auch gefunden ... aber dann hat man es natürlich noch lange nicht gefangen und gesichert :-)

Es wäre super wenn sich der eine oder andere für dieses sinnvolle Projekt begeistern könnte. Die erste Saison habe ich zur Optimierung des Systems genutzt. Es wäre klasse, wenn sich in jedem Hegering mindestens 2 oder mehr "Rettungsteams" zusammenfinden würden. Auch die Landwirte sollten da in die Pflicht genommen werden, denn der §1 Tierschutzgesetz sagt eindeutig: "... niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen." Es kann sogar strafbar sein, wenn im Vorfeld des Mähens keine Maßnahmen zur Vermeidung von Tierleid ergriffen werden. Erste Urteile hierzu gibt es bereits!

Wer Interesse an diesem spannenden Projekt hat kann sich gerne mit mir in Verbindung setzen (Kontaktdaten oben rechts). Außer aktiver Unterstützung ist natürlich auch finanzielle Unterstützung jederzeit gerne willkommen!

Frank Thoma
Inhaber des Kenntnisnachweis nach §21a Luftverkehrs-Ordnung

Ihr Ansprechpartner:
kitzrettung[at]nach-suche.de
0173-6854667

Statistik 2019

Statistik für die "Kitz"-Saison 2019
Stand 03.07.2019 (Saisonabschluss)

Überflogene Fläche       39 ha         
Flugstrecke gesamt23,9 km
Flugzeit gesamt2 h 30 min
gefundene Kitze9

Das erste Kitz 2019 ...