Drohnengestützte Rehkitzrettung

Wild-(Kitz-) Rettung mit speziell ausgestatteten Multicoptern ("Drohnen")

Die "Kitzrettung" mithilfe einer Drohne, an der eine spezielle Wärmebildkamera mit mindestens 320px installiert ist, wird schon in vielen anderen Landkreisen erfolgreich betrieben (zB www.rehrettung-hegau-bodensee.de) Auch in der Schweiz, wo man bereits über mehrere Jahre Erfahrung verfügt, gibt es eine sehr aktive Gruppe. Mit einer Erfolgsquote von über 95% waren die Schweizer in den vergangenen Jahren immer sehr erfolgreich  (www.rehkitzrettung.ch).

Im Herbst 2020 haben sich mehrere Personen im Bereich Hochrhein - Wiesental - Freiburg zusammengefunden um im Dreiländereck ebenfalls einen gemeinnützigen Verein zur Rehkitzrettung zu gründen. Nach entsprechenden Vorarbeiten wurde im Dezember 2020 virtuell die Gründungsversammlung abgehalten und der Verein "Rehkitzrettung Südbaden eV" gegründet, welcher Anfang Februar 2021 in das Vereinsregister eingetragen wurde. Die Gemeinnützigkeit wurde vom Finanzamt Lörrach bescheinigt so dass der Verein nun auch für die Ausstellung von Spendenbescheinigungen autorisiert ist.

Sie erreichen den Verein "Rehkitzrettung Südbaden eV" unter der Adresse www.rehkitzrettung-suedbaden.de. Es werden noch interessierte Personen, Mitstreiter, Sponsoren und Gönner gesucht, die sich im Verein aktiv einbringen oder diesen finanziell unterstützen wollen. gehen Sie auf die Homepage oder schicken Sie uns direkt eine Mail an info(at)rehkitzrettung-suedbaden.de
 



ALLGEMEINE INFOS ZUR KITZRETTUNG

... §1 Tierschutzgesetz sagt eindeutig: "... niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen!"

Wie ist der Ablauf?
Der Landwirt muss die am nächsten Morgen zur Mahd anstehenden Flächen bis spätestens 17 Uhr am Vorabend dem zuständigen Jagdpächter melden, damit dieser ein Rettungsteam organisieren kann. Von seitens des Jagdpächters sollte am nächsten Morgen mindestens 1, besser 2, ortskundige Helfer als "Kitzretter" zur Verfügung stehen. Dieser sollte einige Holzkisten (Umzugskartons, Wäschekörbe) oder saubere Kartoffelsäcke zur Verfügung stellen. Darin werden die gefundenen Kitze bis nach der Mahd, welche spätestens 3 Stunden nach der Suche durchgeführt werden muss, außerhalb der Wiese gesichert werden. Selbstverständlich können die "Kitzretter" auch von Helfern aus der Landwirtschaft unterstützt werden.

Am frühen Morgen vor der Wiesenmahd werden die Wiesen mit dem Kopter von einem Piloten abgeflogen. Parallel zum Flug wird das Wärmebild auf einem separaten Monitor beobachtet. Sobald ein liegendes Kitz vermutet wird, lässt der Pilot den Kopter über dem Fundort in der Luft stehen. Durch den Kopter, sowie einen eigenen Monitor auf dem das Wärmebild dargestellt wird, werden die "Kitzretter" (möglichst 2 Personen) zu dem liegenden Kitz geleitet. Sie können per Funk mit dem Piloten kommunizieren. Das gefundene Kitz wird entsprechend den Vorgaben von der Wildforschungsstelle markiert, aufgenommen und außerhalb der Wiese geschützt unter einer luftigen und mit Gras abgedeckten Holzkiste oder ähnlichem gesichert. Sobald die Wiese abgeflogen wurde, sollte die Mahd beginnen damit die gefundenen Kitze nicht zu lange unter der Kiste verharren müssen.

Ideal sind gute Revierkenntnisse des Jägers. Er weiß wo er schon Gaisen gesehen hat und wo diese am ehesten die Kitze abgelegt haben könnten. Diese Bereiche werden bevorzugt abgeflogen. Die Suche von Kitzen ist in Jagdrecht geregelt und somit nur mit Zustimmung des Revierinhabers zulässig.

Problematisch sind Kitze die bereits mobil sind und vor den "Rettern" in den angrenzenden Wald flüchten. Diese kehren oftmals in kürzester Zeit wieder in die Wiese zurück und können dann - trotz Suchaktion - vermäht werden. Hier wird noch an einer sinnvollen Lösung getüfftelt.

Manche Teams setzen im Flugprogramm auch GPS-Markierungen sobald ein Kitz vermutet wird. Die Wiese wird durchgängig in einem Zug komplett abgeflogen und dann erst die markierten Punkte mit Hilfe eines GPS-Gerätes von den "Kitzrettern" kontrolliert. Beides hat Vor- und Nachteile.

Außer der reinen Suche vor der Mahd, kann der Kopter auch zur Suche von Kitzen eingesetzt werden, deren Gais zB durch einen Verkehrsunfall, nicht mehr am Leben ist. Je früher solche Unfallmeldungen beim Kopterpiloten eintreffen, desto sicherer kann dieses System eingesetzt werden (Stichwort "Bodenerwärmung").

Was wird benötigt?
Ganz klar - Enthusiasmus, Wille, ein gehöriges Maß an Tierliebe und natürlich Geld!
Nicht jeder ist in der Lage mehrmals wöchentlich im frühesten Morgengrauen an einer Wiese zu stehen und bis ca. 8:00 Uhr Kitze zu suchen. Je nach Witterung kann die gesamte Phase der Suchzeit bis zu 8 Wochen dauern, das kann ganz schön an die Substanz gehen. Und nicht jeder kann sich dies auch von Seitens seines Jobs aus erlauben.

Was kostet eine Ausrüstung derzeit?
Man benötigt einen Multikopter mit mindestens 6 Akkus, eine Wärmebildkamera (mindestens 320 px) mit Interface, Bildschirme für die Wärmebilddarstellung, Funkgeräte, Tablet, Software, Transportkoffer und einiges weitere Zubehör. Je nach dem muss der Multikopter auch noch umgebaut werden. Eine besonders hochwertige Ausrüstung kann so schon mal 10.000,- € kosten, aber es geht genau so gut eine Nummer kleiner ... dann liegt  man bei rund 5.000,- € je nach Tagespreis. Dieses günstigere System hat sich in der Schweiz schon sehr gut bewährt und wurde von mir erstmals 2019 mit Erfolg eingesetzt.

Und bevor jetzt hier jemand anfängt zu rechnen … nein, damit lässt sich sicher kein Geld verdienen, im Gegenteil, man muss wohl permanent Geld (und Enthusiasmus) bringen – so ähnlich wie bei der Nachsuchearbeit ;-)!

Gibt es Einschränkungen?
Das Ganze ist sehr zeitintensiv. Derzeit kann aufgrund der Sensibilität der Wärmebildkamera die Suche nur in den frühen Morgenstunden bis maximal ca. 8:00 Uhr erfolgen. Sobald sich der Boden erwärmt, gibt es zu viele Fehlermeldungen. Da wird dann jeder Maulwurfshügel oder jede Kahlstelle angezeigt. Bei Regen, Nebel und stärkerem Wind (ab ca. 25 km/h) kann auch nicht geflogen werden ... aber da wollen die Landwirte eventuell sowieso nicht mähen.

Problematisch ist natürlich auch die zeitlich "geballte" Mähkompetenz ... sobald gutes "Mähwetter" gemeldet ist, werden überall die Traktoren gestartet. Je mehr "Rettungsteams" im Einsatz sind, desto eher können diese Spitzen dann auch gemeistert werden.

Wie ist die Effektivität?
Der Erfolg gibt der Sache recht - derzeit ist diese Art der Kitzsuche am effektivsten. Dies bestätigen auch viele Berichte. In kurzer Zeit können große Flächen ohne Schäden am Mähgut abgeflogen werden. Der Kopter fliegt in 30 - 35 m Höhe mit rund 3m/sec. Je nach Objektiv wird somit am Boden, bei einer Flugbahn, eine Fläche von rund 25 m Breite abgedeckt. Für einen Hektar benötigt man so rund 3 Minuten. Das schaffen andere Arten der Kitzsuche nicht mal ansatzweise. Normalerweise wird ein Kitz, das sich im hohen Gras duckt, auch gefunden ... aber dann hat man es natürlich noch lange nicht gefangen und gesichert :-)

Frank Thoma
Aktiver Drohnenpilot
Inhaber des Kenntnisnachweis nach §21a Luftverkehrs-Ordnung
Inhaber des EU-Fernpilotenkompetenznachweis A1/A3

Ihr Ansprechpartner:

info(at)rehkitzrettung-suedbaden.de
+49 173 6854667

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