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Die Sonne war gerade über den Baumwipfeln aufgegangen, als Rika, das Rehkitz, fröhlich über die Wiese sprang. Die Luft war warm, die Blumen dufteten, und überall summten Bienen und flatterten Schmetterlinge.
„Der Frühling ist da!“ rief Rika. „Die schönste Zeit im Wald!“
Felix, der Fuchs, schnupperte in den Wind. „Aber auch die gefährlichste Zeit für unsere Kleinsten“, sagte er ernst. „Die Wiesen werden bald gemäht“, ergänzte Ula, die Eule. „Und viele Kitze sind schon geboren.“
„Aber Kitze können doch fliehen, oder?“ fragte Daxi, der Dachs. „Nein“, erklärte RIka „Sie haben einen Duckinstinkt. Sie drücken sich flach ins Gras und bleiben reglos liegen – aus Angst. Und genau das wird ihnen zum Verhängnis.“
Gefahr durch die Mahd
Die Waldbande versammelten sich am Waldrand. Sie blickten auf die große Wiese, die bald gemäht werden sollte. „Hier liegen bestimmt schon Kitze“, sagte Rika leise. „Sie sind so klein, man sieht sie kaum.“
„Wenn die Mähmaschine kommt, haben sie keine Chance“, murmelte Felix. „Sie fliehen nicht. Sie vertrauen darauf, dass sie nicht entdeckt werden.“
Ula schloss die Augen. „Jedes Jahr sterben hunderte Kitze durch die Mahd. Und nicht nur sie – auch Bodenbrüter wie Fasan, Rebhuhn oder Feldlerche verlieren ihre Gelege und auch die jungen Feldhasen in der Sasse sind in Lebensgefahr.“
Die Tiere waren traurig. Doch dann hörten sie fröhliche Stimmen – die Kinder vom Lernort Natur kamen mit ihren Jägern.
Hilfe aus der Luft
„Wir wissen Bescheid“, sagte ein Mädchen aus der Klasse. „Unsere Jäger haben eine Wärmebilddrohne. Damit suchen wir die Wiesen ab, bevor sie gemäht werden.“
Die Kinder erklärten, wie die Drohne funktioniert: Sie fliegt früh am Morgen über die Wiese, wenn die Temperaturunterschiede am größten sind. Die Wärmebilder zeigen helle Flecken – dort liegen die Kitze.
„Aber man darf sie nicht anfassen“, sagte ein Junge. „Sonst riechen sie nach Mensch, und die Geiß nimmt sie nicht mehr an.“
Die Jäger zeigten den Kindern, wie man vorsichtig mit Handschuhen und Grasbüscheln arbeitet, um die Kitze zu sichern. Sie werden in eine Kiste gesetzt und in eine nahegelegene Wiese gebracht – eine, die stehen gelassen wird.
„Nach dem Mähen setzen wir sie zurück“, erklärte der Jäger. „Dann kann die Mutter sie wiederfinden.“
Die Rettung
Am nächsten Morgen war die Luft kühl und klar. Die Drohne stieg auf, und die Kinder beobachteten gespannt den Bildschirm. „Da! Ein heller Fleck!“ rief ein Mädchen. „Und noch einer!“ rief ein Junge.
Die Jäger gingen vorsichtig zur Stelle. Mit viel Ruhe und Sorgfalt sicherten sie zwei Kitze – winzig, mit weißen Flecken und großen Augen. Die Kinder hielten den Atem an.
„Sie sind in Sicherheit“, sagte der Jäger. „Jetzt bringen wir sie in die Schutzwiese.“
Die Kitze wurden in eine hohe, ungemähte Wiese gesetzt. Dort war es ruhig, geschützt und voller Verstecke. Die Kinder stiegen mit den Jägern auf den Hochsitz und warteten.
Die Sonne stieg höher, die Mähmaschine arbeitete auf der großen Wiese. Doch die Schutzwiese blieb unberührt.
Plötzlich bewegte sich etwas am Waldrand. Eine Geiß trat vorsichtig aus dem Schatten. Sie schnupperte, blickte sich um – und ging langsam auf die Wiese zu.
„Sie sucht ihr Kitz“, flüsterte Rika. „Sie hat es gefunden!“ rief Felix. „Sie nimmt es wieder mit!“
Die Kinder jubelten leise. Die Rettung war gelungen.
Ein Zeichen für die Zukunft
Am Ende des Tages versammelten sich alle auf der Lichtung. Die Jäger lobten die Kinder: „Ihr habt Leben gerettet. Ihr habt gezeigt, dass Technik und Natur zusammenarbeiten können.“
Die Kinder gestalteten Schilder für den Wanderweg: „Wiesen sind Lebensräume – bitte nicht während der Brut- und Setzzeit betreten!“ und «Jungtiere nicht Anfassen.»
Ula sprach zum Abschluss: „Der Wald ist voller Leben – auch dort, wo man es nicht sieht. Wer hinschaut, kann helfen.“
Felix ergänzte: „Und wer hilft, wird Teil des Waldes.“
Die Kinder gingen nach Hause – mit Wärme im Herzen, Wissen im Kopf und dem Gewissheit, etwas Bedeutendes getan zu haben.


